Neue S-Works Tarmac SL9: ein einziges Fahrrad, um die Debatte zwischen Aero und Bergfahrer zu beenden
Specialized hat gerade das neue S-Works Tarmac SL9 vorgestellt, ein Fahrrad, das einen Paradigmenwechsel in der traditionellen Entwicklung von Rennrädern darstellt. Anstatt isolierte Zahlen zu Aerodynamik, Gewicht oder Steifigkeit zu verfolgen, behauptet die amerikanische Marke, die gesamte Plattform um einen einzigen Parameter herum entworfen zu haben: die tatsächliche Zeit, die benötigt wird, um ein Rennen zu beenden.

Specialized präsentiert das neue S-Works Tarmac SL9: schneller, leichter und entwickelt mit einem einzigen Ziel, die Zeit bis zur Ziellinie zu reduzieren
Die Firma aus Morgan Hill definiert dieses Konzept als „Time To Finish“ (Zeit bis zur Ziellinie), eine Metrik, die wir vor einigen Wochen zum ersten Mal bei der Präsentation des neuen Crux Gravel gehört haben und die Aerodynamik, das Gesamtgewicht des Systems, den Rollwiderstand, die mechanische Effizienz, die Leistung des Fahrers, das Terrain, den Wind und die realen Wettbewerbsbedingungen kombiniert, um zu bestimmen, welches Fahrrad eine bestimmte Strecke am schnellsten zurücklegt. Laut Specialized ist das neue Tarmac SL9 das schnellste Rennrad, das sie je entwickelt haben, da es die geringste „Time To Finish“ aller getesteten Fahrräder erzielt.

Vom Windkanal zum Endergebnis
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Über Jahre hinweg hat die Industrie den Luftwiderstand als Hauptargument zur Messung der Geschwindigkeit eines Fahrrads verwendet. Specialized gibt diese Philosophie nicht auf, aber ist der Meinung, dass ein Rennrad nicht nur nach den Watt bewertet werden kann, die es in einem Windkanal einspart.

Die Marke behauptet, dass ein Rennen durch die Interaktion zahlreicher Faktoren entschieden wird, die sich ständig ändern: variable Geschwindigkeiten, Wind, Beschleunigungen, Anstiege, Abfahrten, die Position des Fahrers oder angesammelte Ermüdung. Daher entwickelte sie ein eigenes Werkzeug namens „Equation of Speed“, ein physikalisches Modell, das all diese Parameter integriert, um die Gesamtzeit zu berechnen, die benötigt wird, um eine reale Strecke zu absolvieren.
Laut Specialized ist dieses System inspiriert von Methoden, die in Disziplinen wie der Formel 1 oder im professionellen Segeln verwendet werden, wo das Ziel nicht darin besteht, eine bestimmte Kennzahl zu optimieren, sondern die Gesamtleistung auf einer bestimmten Strecke.
Vier Watt schneller als das Tarmac SL8
Das sichtbare Ergebnis dieser Arbeit ist ein Fahrrad, das laut den Messungen von Specialized, die mit ihrem Win Tunnel-Testsystem durchgeführt wurden, den Luftwiderstand im Vergleich zum Tarmac SL8 bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h um 4 Watt reduziert.

Die Verbesserung stammt nicht von einem einzelnen Element, sondern von einer vollständigen Überarbeitung aller Oberflächen des Rahmens. Specialized behauptet, dass jedes Rohr neu gestaltet wurde, um aerodynamische Vorteile zu erzielen ohne das Gesamtgewicht zu erhöhen.
Das Unternehmen entwickelte zahlreiche experimentelle Prototypen auf Plattformen, die von der Tarmac SL8 abgeleitet sind, um verschiedene Lösungen zu bewerten, bevor das endgültige Design erreicht wurde. Ziel war es, aerodynamische Vorteile zu finden, ohne auf das geringe Gewicht zu verzichten, das sowohl die SL8 als auch die Aethos ausgezeichnet hat.

Ein völlig neuer Frontbereich
Ein großer Teil der aerodynamischen Gewinne konzentriert sich im vorderen Bereich.
Das bekannte Design „Speed Sniffer“ entwickelt sich zu einem 4 mm schmaleren Steuerrohr mit 10 % weniger Frontfläche. Um dies zu erreichen, musste Specialized ein neues Steuerrohr namens Offset Steerer, das patentiert werden soll, entwickeln, das die Führung des hinteren Kabels zur rechten Seite des Steuerrohrs verlagert, um Platz im Frontbereich zu schaffen.

Zu dieser Lösung kommt ein neuer abgesenkter Diagonalrohr („Dropped Down Tube“), der den vorhandenen Platz zwischen Rad, Gabel, Steuerrohr und Rahmen reduziert und hilft, den Luftstrom in einem der kritischsten Bereiche aus aerodynamischer Sicht besser zu kontrollieren.

Außerdem gibt es eine neue Gabel namens Flow Fork. Ihre Beine sind nicht nur tiefer, sondern weisen auch eine spezifische Torsion nach außen auf, um die Luft, die vom Vorderrad kommt, besser zu lenken und den Luftstrom länger um den Rahmen herum zu halten.
Der kurvenreiche Ursprung des neuen „Win Fin“
Eine der auffälligsten Lösungen des Tarmac SL9 stammt direkt aus der Analyse von Wettkampfdaten.
Die Ingenieure von Specialized beobachteten, dass in den meisten professionellen Ausreißern die Fahrer nur eine Flasche verwenden. Die ständige Nähe der Teamautos macht es unnötig, zwei Flaschen über längere Zeiträume zu transportieren.

Dieses Detail verändert das Verhalten der Luft um das Sitzrohr und das Hinterdreieck vollständig. Aus dieser Beobachtung entstand der sogenannte „Win Fin“, ein vollständiges Redesign des hinteren Rahmens, das speziell für diese übliche Konfiguration im Rennen optimiert wurde.
Laut Specialized bringt diese Lösung allein eine Einsparung von etwa 0,5 Watt.
Ein neues Konzept für aerodynamische Tests
Ein weiterer Aspekt, der beim Entwicklungsprozess der SL9 eine große Rolle spielt, ist die Verwendung der sechsten Generation ihres „Moving Leg Mannequin“.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Tests, die nur mit dem Fahrrad oder mit statischen Mannequins durchgeführt werden, verwendet Specialized ein Mannequin, das in der Lage ist, zu treten, um die durch die Bewegung der Beine verursachten Luftstromveränderungen realistischer zu reproduzieren.

Das Unternehmen behauptet, dass der Fahrer die gesamte Aerodynamik des Sets so stark verändert, dass jede Messung ohne ihn ein unvollständiges Bild der tatsächlichen Leistung bietet.
Die Präzision des Systems ist so hoch, dass die Marke selbst behauptet, dass ein Fehler von nur einem halben Zentimeter in der Position des Mannequins aerodynamische Unterschiede erzeugen kann, die größer sind als die zwischen einigen Fahrrädern.
687 Gramm für den S-Works Rahmen
Die andere große Zahl des neuen Tarmac SL9 ist sein Gewicht.
Der S-Works Rahmen aus FACT 12r Carbon wiegt nur 687 Gramm, eine Zahl, die Specialized im oberen Bereich des Segments der aerodynamischen Rennräder ansiedelt. Darüber hinaus beginnen die kompletten Montagen bei 6,5 kg.

Um dies zu erreichen, hat die Marke das Flow State Design-Konzept weiterentwickelt, das ursprünglich in der Aethos-Familie eingeführt wurde.
Die Philosophie besteht darin, die Form der Rohre zu nutzen, um die strukturellen Lasten effizienter zu tragen, wodurch unnötige Schichten von Carbon entfernt werden können, ohne Steifigkeit oder Widerstand zu beeinträchtigen. Die Ingenieure analysierten die Verformungsmuster des Rahmens unter Last und verwendeten diese Daten, um jeden strukturellen Abschnitt zu optimieren.

Specialized gibt an, dass der Rahmen mehr als 100.000 Testzyklen mit einer Leistung von 2.377 Watt übersteht.
Die gleiche Steifigkeit und Komfort wie das Tarmac SL8
Trotz der neuen aerodynamischen Profile und strukturellen Modifikationen behauptet Specialized, dass die gleichen Ziele für Steifigkeit und Vibrationsdämpfung wie beim Tarmac SL8 beibehalten wurden.
Die Marke ist der Ansicht, dass Geschwindigkeit nicht nur von der aerodynamischen Effizienz abhängt, sondern auch von der Fähigkeit des Fahrers, die Leistung über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten. Ermüdung zu reduzieren, die Kontrolle zu verbessern und das Vertrauen des Fahrers zu erhöhen, sind ebenfalls Teil der Leistungsgleichung.
Das neue SL9 behält außerdem die Philosophie „Rider First Engineered“ bei, mit spezifischen Laminierungen für jede Größe zwischen 44 und 61 cm, um ein homogenes Verhalten unabhängig von der Körpergröße des Fahrers zu gewährleisten.
Wie viel schneller ist es wirklich?
Specialized hat Simulationen unter Verwendung realer Profile von Etappen der Tour de France, Tour de France Femmes, Liège-Bastogne-Liège und der Weltmeisterschaften in Montreal 2026 durchgeführt.
Eines der auffälligsten Beispiele bezieht sich auf die letzte Etappe der Tour de France Femmes 2024, in der Demi Vollering ihren entscheidenden Ausreißversuch über 80 Kilometer in Richtung Alpe d’Huez unternahm.

Laut der von der Marke durchgeführten Simulation unter Verwendung der vollständigen Streckendaten hätte ein Tarmac SL9 diese Etappe 14 Sekunden schneller als ein Tarmac SL8 abgeschlossen. Specialized erinnert daran, dass diese Ausgabe der Tour nur um fünf Sekunden in der Gesamtwertung entschieden wurde.

Die internen Simulationen der Marke platzieren die SL9 auch vor Modellen wie der Cervélo S5, der Colnago Y1RS oder der Factor ONE in mehreren der analysierten Szenarien, insbesondere wenn die Strecke Anstiege und ständige Tempowechsel umfasst.
Ein einziges Fahrrad für alles
Die Schlussfolgerung von Specialized ist klar: das neue Tarmac SL9 soll kein Kletterrad oder ein Aero-Rad im traditionellen Sinne sein.
Die Marke definiert es als eine einzigartige Plattform, die sich sowohl an Sprinter, Klassikerfahrer als auch an Aspiranten für die Gesamtwertung anpassen kann, da es um eine einzige Variable herum entwickelt wurde: die Strecke schneller zu beenden.

In den Worten des technischen White Papers des Unternehmens wurde das Tarmac SL9 nicht entwickelt, um isolierte Metriken zu gewinnen, sondern um „das schnellste Fahrrad zu sein, basierend auf dem einzigen Parameter, der entscheidet, wer ein Rennen gewinnt: die Zeit bis zur Ziellinie“.
Gamme S-Works Tarmac SL9: Gewicht, Preise und verfügbare Versionen
Wie gewohnt wird die Tarmac SL9-Reihe in mehreren Ausstattungsstufen strukturiert, um sich an verschiedene Benutzerprofile anzupassen, obwohl alle die gleiche Entwicklungsphilosophie basierend auf dem Konzept „Time To Finish“ teilen.

Am oberen Ende der Reihe befinden sich die S-Works-Versionen, die ohne Kompromisse konzipiert sind und mit den fortschrittlichsten Komponenten der Marke ausgestattet sind. Diese Modelle verwenden Rahmen und Gabel FACT 12r, Roval Rapide CLX III Räder, CeramicSpeed Lager sowohl im Tretlager als auch im Steuerlager, S-Works Power Sattel mit Mirror-Technologie und das neue integrierte Cockpit Rapide. Die Kunden können zwischen SRAM RED AXS oder Shimano Dura-Ace Di2 Antrieben wählen.
Darunter erwarten wir in naher Zukunft weitere Optionen, aber derzeit wurden nur die S-Works-Modelle vorgestellt.
Die Tarmac SL9-Familie ist wie folgt konfiguriert:
- S-Works Tarmac SL9 SRAM RED AXS — 13.999 €
- S-Works Tarmac SL9 Shimano Dura-Ace Di2 — 13.999 €
- S-Works Tarmac SL9 Team Replica Rahmen — 5.999 €
- S-Works Tarmac SL9 Rahmen — 5.799 €
S-Works Tarmac SL9 SRAM RED AXS - 13.999 € - 6,6kg
Die Top-Version ausgestattet mit der neuen SRAM RED AXS E1 Gruppe und ausgewählten Komponenten ohne Kompromisse bei Gewicht oder Leistung. 
- Rahmen: S-Works Tarmac SL9 FACT 12r Carbon
- Gabel: S-Works FACT 12r Carbon
- Steuerung: CeramicSpeed SLT
- Gruppe: SRAM RED AXS E1 12v
- Leistungsmesser: Quarq integriert
- Kurbeln: SRAM RED AXS E1 50/37
- Kasette: SRAM RED XG-1290 E1 10-36
- Tretlager: CeramicSpeed BB Alpha BSA DUB
- Räder: Roval Rapide CLX III
- Reifen: Cotton TLR 700x30
- Cockpit: Roval Rapide Integrated
- Sattel: S-Works Power Mirror
- Sattelstütze: S-Works Rapide Carbon
- Gewicht: 6,6 kg
- Preis: 13.999 €
S-Works Tarmac SL9 Shimano Dura-Ace Di2 - 13.999 € - 6,6kg
Die Alternative für Benutzer, die die elektronische Gruppe von Shimano bevorzugen und dabei genau das gleiche Ausstattungsniveau bei Rädern, Cockpit und Premium-Komponenten beibehalten.

- Rahmen: S-Works Tarmac SL9 FACT 12r Carbon
- Gabel: S-Works FACT 12r Carbon
- Steuerung: CeramicSpeed SLT
- Gruppe: Shimano Dura-Ace Di2 R9200 12v
- Leistungsmesser: 4iiii Precision Pro dual-sided
- Kurbeln: Shimano Dura-Ace FC-R9200 52/36
- Kasette: Shimano Dura-Ace 11-34
- Tretlager: CeramicSpeed Alpha
- Räder: Roval Rapide CLX III
- Reifen: Cotton TLR 700x30
- Cockpit: Roval Rapide Integrated
- Sattel: S-Works Power Mirror
- Sattelstütze: S-Works Rapide Carbon
- Gewicht: 6,6 kg
- Preis: 13.999 €
S-Works Tarmac SL9 Rahmen
Die Option für diejenigen, die das Fahrrad vollständig nach Maß aus dem fortschrittlichsten Rahmen von Specialized montieren möchten.
- Rahmen: S-Works Tarmac SL9 FACT 12r Carbon
- Gabel: S-Works FACT 12r Carbon
- Steuerung: CeramicSpeed SLT
- Sattelstütze: S-Works Rapide Carbon
- Gewicht: 1,39 kg
- Preis: 5.799 €
S-Works Tarmac SL9 Team Replica 
- Rahmen: S-Works Tarmac SL9 FACT 12r Carbon
- Gabel: S-Works FACT 12r Carbon
- Steuerung: CeramicSpeed SLT
- Sattelstütze: S-Works Rapide Carbon
- Gewicht: 1,45 kg
- Preis: 5.999 €
Sie können weitere Details zu den Montagen auf der Website von Specialized einsehen.
